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SACRO-POP: BANDPORTRAIT
»NEUE WEGE«
Während man in Deutschland
per Casting-Shows verzweifelt den Superstar sucht, hat sich eine Combo
längst gefunden: Vor 18 Jahren formierte sich bei den jungen katholischen
Gemeinschaften (JKG) in Würmersheim die christliche Band „NeueWege”, die
jüngst ihre aktuelle CD„Zuhaus’“ veröffentlichte.
Am Anfang stand die Idee, Gottesdienste und Firmungen peppiger zu gestalten,
berichtet Gemeindereferent Dieter Janikovits. Man hatte sich vorgenommen,
jungen Gläubigen eine Plattform zu schaffen, auf der sie gemeinsame
Interessen pflegen konnten - und das war die Musik. „Neue Wege“ wurde
gegründet und inzwischen ist die Band richtig groß geworden: Daniel Bertsch
ist für die Keyboards zuständig, Dieter Janikovits und Werner Rittler
spielen die Gitarre und die Akustik-Gitarre, Marco Maier zupft den Bass,
Thomas Bertsch bearbeitet das Schlagzeug, Michaela Ernst spielt die
Querflöte, und Aline Fieker das Saxofon. Das Vocalensemble besteht aus 15
Sängerinnen und Sängern, die meisten von ihnen wuchsen aus den Kinderchören
der Würmersheimer Kirchengemeinde heran, sind inzwischen junge Erwachsene
und leiten wiederum Chöre, in denen sie einst als Kinder sangen.
Auf der aktuellen Scheibe „Zuhaus’”, die in einer Auflage von 500 Stück
produziert wurde, findet der interessierte Hörer 14 selbst komponierte
Songs. Sie stammen aus der Feder der Musiker, allen voran Gemeindereferent
Dieter Janikovits.
Die Melodien sind eingängig
und gehen schnell ins Ohr, die Texte sind bis auf einen Titel (”Not an
Angel”) in Deutsch gefasst und haben zumeist den Glauben an Gott zum Thema.
Dieter Janikovits erzählt im BDZGespräch, dass jeder „Neue-Wege”-Songschreiber
meist persönliche Erfahrungen mit dem Leben und mit Gott in die Titel hat
miteinfließen lassen. Es seien Lieder, die von Erfahrungen mit Gott und dem
Vertrauen auf Jesus berichten. Lieder, die von den schönen und von den
schweren Begebenheiten des Lebens erzählen”, heißt es. In der Tat ist „Zuhaus’“
nicht immer leichte Kost, die den Kopf frei macht von schweren Gedanken.
Vielmehr regen die Titel dazu an, sich mit dem eigenen Glauben
auseinanderzusetzen und sich zu fragen, ob man die Kleinigkeiten des Alltags
nicht einfach wichtiger nehmen sollte. Und irgendwie ist doch jeder
betroffen von den Kleinigkeiten, die das alltägliche Leben verändern und
verändert haben. Deutlich wird das im Song„Weißt du,was verloren ging?“ von
Daniel Bertsch. Der Songwriter setzt sich in diesem Stück mit der wachsenden
Anonymität, die das Internet und das Handy mit sich bringen, auseinander.
Von christlichem Tenor ist in diesem Titel nicht die Spur zu hören - und
dennoch trifft er auf jeden zu, auch auf den, der mit Gott nicht viel am Hut
hat. Da heißt es: „Wer nimmt noch Papier und Stift zu Hand, schreibt lange
Briefe sehr galant; mein Briefkasten ist immer leer, es kommt nur noch die
Rechnung her - für alles andere hat man leider keine Zeit.“ Wie wahr.
Und ein anderes Lied erzählt vom Glück, dass man trotz aller Zweifel erleben
darf, wenn ein Kind zur Welt kommt. Die 14 Titel, die auf die aktuelle
Scheibe gepackt wurden, zeigen keinesfalls mit dem moralischen Zeigefinger
auf jene, die weniger Bezug zur Kirche haben. Vielmehr können die Songs
helfen, mit Gefühlen und Empfindungen, aber auch mit Ratlosigkeit ein wenig
besser umzugehen. Kurz: Es werden neue Wege aufgezeigt, mit denen man sich
überall ein klein wenig mehr zu Hause fühlen kann. Die CD soll Menschen
zwischen acht und 80 Jahren ansprechen, so ist auch die Musik angelegt:
Immer überschaubare Kompositionen, keine bedrängende Rhythmen, kein
stampfender Bass. Sondern ausgeglichene Melodien, die es möglich machen,
auch mal zur Ruhe zu kommen. Und was bewegt junge Leute dazu, sich nicht dem
Mainstream in Sachen Musik zu beugen und stattdessen christliche Lieder zu
singen? Die BDZ unterhielt sich mit Saskia Niedermann und Tina Schneemann,
die beide im Chor von „Neue Wege“ mitsingen. Die Musik, die sie machen,
bezeichnet man als Sacro-Pop. Die beiden jungen Frauen sind sich einig: Sie
mögen einfach poppige Songs mit christlichem Hintergrund.
Saskia Niedermann fügt hinzu: „Ich bin hier in der Kirchengemeinde groß
geworden und unsere Band ist eine schöne Art, den christlichen Glauben
auszudrücken.“ Ferner finden die beiden jungen Frauen es toll, dass gerade
bei der JKG in Würmersheim das Gemeinschaftsleben sehr intensiv gepflegt
werde. Jeder steuere die Fähigkeiten bei, über die er verfüge, und jeder
könne sich einbringen.
Die Würmersheimer JKG hat mehr als 20 Gruppierungen für junge Gläubige. Das
neueste Projekt heißt „Future-Church“ und richtet sich an Teenager: An der
Würmersheimer Herz-Jesu-Kirche und an der Dionysius-Kirche und Durmersheim
wurden Briefkästen angebracht. Wer Fragen zu Gott und zum Glauben hat,
schreibt sie auf einen Zettel und wirft den in einen der Kästen ein. Die
Kästen werden regelmäßig geleert und die Fragen vom Future-Church-Team
bearbeitet. Die Antworten erfährt man dann im Schaukasten bei den beiden
Kirchen – dort werden sie ausgehängt.
Und noch ein Projekt ist angedacht, mit dem junge Christen und solche, die
es werden wollen, angesprochen werden sollen: Nach dem großen Erfolg des
selbst produzierten Musicals „König David“ arbeitet man in der aktiven
katholischen Gemeinde schon an einem neuen Stück: Das Musical „Esau und
Jakob“ soll Ende 2006 oder Anfang 2007 auf die Bühne kommen. Bis dahin ist
aber noch genügend Zeit, um die CD „Zuhaus’“ zu promoten. Immerhin wurden
seit der Veröffentlichung am 10. Juni schon knapp 200 Silberlinge verkauft.
Auf einer geplanten Konzertreise sollen noch mehr unters Volk gebracht
werden. Wer die CD bestellen möchte oder mehr JKG-Infos benötigt, schaut
einfach unter www.jkg-durmersheim.de
Artikel von Stefanie Füg BDZ 2005 / Nummer 34 |

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