Jugendvesper am 14. Dezember 2008
Thema: „Macht“
„Was die Macht mit uns macht?“
Am Anfang, vor dem Beginn des eigentlichen Gottesdienst – Start 18 Uhr:
Macht demonstrieren: Auf der Empore steht ein Jugendlicher, der mit einem Mikrophon die Besucher mit zwingender Stimme anweist, sich umzusetzen:
(Frauen nach rechts, Männer nach links, die Kinder in die ersten Reihen)
Danach Lied: Dear Mr. President
Marius: Beginn des Gottesdienstes - Begrüßung
Begrüßung durch Andi (Jugendlicher): Danke, dass Ihr da seid und Euch auf unser Thema eingelassen habt. Ihr seid jetzt gerade ein Opfer von Macht geworden. Wie ging es Euch dabei / Welche Erfahrungen habt Ihr schon mit „Macht“ gemacht?
(Jugendliche gehen in die Reihen und fragen nach)
Kyrie: Wir wollen uns auf das Thema Macht einstimmen und uns fragen, wo wir selbst Macht erfahren, aber auch Macht ausüben.
Herr – vielleicht missbrauche auch ich manchmal Macht, die ich habe – ohne es zu wollen oder zu merken Herr erbarme Dich
Herr – manchmal sehe ich zu, wie Andere Ihre Macht an Schwächeren auslassen
Und tu nichts dagegen Christus erbarme Dich
Herr – manchmal missbrauche ich selbst Macht
Herr erbarme Dich
Gloria Lied: Keinen Tag soll es geben
Gebet: Freies Gebet von Anne
Präsentation von verschiedenen Bildern, die „Macht“ zeigen unterlegt mit Musik
Wir haben uns gefragt, was Gott von dem Ausüben von Macht hält und haben dazu diese Bibelstelle gefunden:
Bibelstelle: aus dem Markusevangelium 10,42-45
Da rief Jesu sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.
Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für Viele.
Lied: Wozu sind Kriege da?
Predigt:
[Aufhänger: schöne Utopie: im Golfclub unter Palmen, grad von der eigenen Jacht gekommen; Diener die Zettel zum Unterzeichnen hin und her tragen, Interviews geben, 400 Leibwächter, Untertanen die jubeln. Wenn wir an Macht denken, denken wir meist an phantastische Bilder]
Die Macht im echten Leben ist weniger spektakulär. Angie Merkel hat Macht, Verkehrspolizist hat Macht, Türsteher hat Macht. Aber alles nicht soo traumhaft.
Wenn man als Jugendlicher nachdenkt, haben meistens erstmal die anderen Macht. Macht klingt nach Chefetage, Dienst-Benz und Vorzugsoptionen. Soweit ist man als junger Mensch normalerweise nicht. Dann gibt’s konkret die Eltern, Lehrer, Chefs über Azubis und bei unseren Nebenjobs, Jugendschutzgesetz. Macht ist meistens in erster Linie etwas, das einschränken und verbieten kann, das uns hindert, die Dinge so zu machen wie wir wollen, das bei der Entfaltung stört.
Wenn man hinschaut, sind unsere Medien voll von Machtkämpfen, Machtmissbrauch, Machtvakuum, Machtwechseln, Streitmächten, die Konflikte austragen usw. Dazu kommt auch die Macht der Medien, die bestimmen können, wovon wir erfahren und wie. Außerdem setzen sie Mode- und Musiktrends und vieles andere. So wird der Mainstream gelenkt.
Vielen Jugendlichen ist es ganz wichtig, dass sie nicht mainstream sind, dass sie nicht etwas meinen, bloß weil es alle meinen, dass sie nicht etwas tun oder lassen bloß weil es alle tun oder lassen. Das heißt, sie wollen sich nicht steuern lassen, sie wollen selber kritisch denken und entscheiden, sagen: ich will ich selbst sein.
Das finde ich gut. Man sieht daran, dass ich bei manchem, was auf mich Einfluss hat, selbst ganz gut entscheiden kann, ob es Macht über mich haben darf oder nicht.
Ein Beispiel ist auch der Glaube. Die gängige Meinungsmacht sagt ja, dass Glaube, Kirche uncool ist, naiv und höchstens was für Loser. Der Meinung muss ich mich aber nicht anschließen. Ich seh das anders. Mich interessiert, ob es Gott gibt und was das dann für mein Leben bedeutet. Wenn andere es komisch finden, den Sinn des Lebens bei/in der Kirche zu suchen und die Hoffnung zu haben, dass dieses Leben nicht alles ist, ist das zwar schade für sie, aber mir ist das wichtig, und deshalb lasse ich mich da nicht abbringen.
Nicht jede Macht muss also auch über mich Macht haben.
Wenn wir genau hinschauen, finden wir dann doch auch viele Momente, in denen auch junge Menschen Macht haben. Z.B. im Fußball, wenn man frei zum Schuss kommt und den Ball unters Lattenkreuz brezelt. Ein machtvoller Abschluss! Oder in der Jugendarbeit, oder bei anderen freiwilligen Engagements, wenn ich kreativ sein kann, etwas gestalten und das dann nachher so aussieht, wie ich das wollte.
Schon mal aufgefallen, wie mächtig das Vertrauen sein kann, das mir jemand schenkt? Wenn jmd sagt, „ich trau dir das zu, ich bin sicher, du machst das gut“, was das für Kräfte frei setzen kann? (Umgekehrt natürlich das selbe). Oder wenn jmd sagt, ich mag dich, oder sogar, ich liebe dich.
Auf dem Feld haben wir alle ganz viele machtvolle Möglichkeiten. Wir können z.B. auch denen, die in unserem Umfeld ausgegrenzt und gedisst werden, auch mal was nettes entgegen bringen und ihnen vllt helfen, aus der Ecke rauszukommen. Als ein Beispiel.
Unser Wort „Macht“ leitet sich ab von „vermögen“, „können“. Die Frage, wo ich Macht habe, ist die Frage, was ich machen kann, was mir möglich ist. Das muss jeder für sich suchen und rausfinden
Die Dynamik, Energie, die in jungen Menschen steckt, hat viel damit zu tun, dass sie das Leben vor sich haben, dass es so viele Möglichkeiten gibt, Partnerwahl, Berufswahl, etc. Alles das liegt in unserer Hand. Natürlich haben wir auch Einflüsse von außen, vieles hängt nicht allein von uns ab. Aber grundsätzlich haben wir, habe ich die Macht, mein Leben zu gestalten.
Ich kann mich und meine Zukunft durch Entscheidungen durch Entscheidungen prägen:
kann mich entscheiden, dass ich zu Freunden stehe, wenn’s bei ihnen brennt
kann mich darin üben, Konflikte im direkten Gespräch zu klären
kann beschließen, Gott in meinen Lebensentwurf reinzunehmen
kann überlegen, ob ich Sport machen will.
Das alles und noch viel mehr.
Klar ist natürlich, dass ich bei meiner persönlichen Entfaltung die Anderen nicht aus dem Blick verlieren darf. Die gute Macht, die wir haben, würde dann nur wieder in das Schlechte umkippen. Deshalb brauchen wir ein gutes Gegenüber, eine gute Sache, die uns am Herzen liegt, für die wir uns und das, was wir sind u können, einsetzen können.
Der Glaube bietet uns das in Jesus und seiner Botschaft an. Wenn wir uns ehrlich an ihm orientieren, dann – so bin ich überzeugt – werden wir unsere Macht gut einsetzen können. Mit ihm werden wir vielleicht ganz neue Wege finden, auch da, wo unsere Macht erstmal zu Ende ist. Die Montagsdemonstrationen, die wesentlich zum Fall der Mauer beigetragen haben, kamen aus einer kirchlichen Initiative. Gottes Botschaft, zusammen mit unseren Fähigkeiten, kann Großes bewirken. Dann bleibt die Macht kein phantastischer Traum, sondern wird ganz konkret.
Wenn ich groß bin, sagen Kinder gerne. Sie träumen davon, was sie gerne sein, was sie tun wollen. Wenn ich groß bin, sagen sie, weil sie wissen, dass ihnen jetzt gerade dazu noch einige Fähigkeiten fehlen.
Als Jugendlicher beginnt man zu sehen, welche Fähigkeiten man hat, und will sie ausbauen und man entwickelt seine Ziele, das, was man in diesem Leben machen will. Dazu kann man jeden nur ermutigen.
Dem, der seine Talente sucht und fördert und die Möglichkeiten, sich einzubringen
dem, der dabei nicht nur der King werden will, sondern die anderen und Gott im Blick hat,
dem kann man mit ruhigem Gewissen und voller Unterstützung sagen:
Trau dich, mächtig zu sein.
Lied: Hymn
Glaube bekennen: Credo
Ich glaube an die Sonne,
auch wenn es dunkel ist.
Ich glaube an das Leben,
auch wenn's mich mal vergisst.
Ich glaube an die Liebe,
bist Du auch weit von hier.
Auch wenn ich Dich nicht sehen kann,
ich weiß, ich glaube Dir.
Ich glaube an
Gerechtigkeit,
nicht nur für eine Welt.
Ich glaube an die Güte,
auch gegen alles Geld.
Ich glaube an den Frieden,
und alles ändert sich.
Ich glaube an den Menschen,
und ich glaub auch an Dich.
Ich glaube an die Zukunft,
auch ohne CDU.
Ich glaube an die Freiheit,
und mach die Tür nicht zu.
Ich glaube an die Ewigkeit,
nur meine Zeit reicht nicht.
Ich glaub es geht nicht länger gut ohne Dich.
Fürbitten:
Guter Gott - ich bin dankbar, zu Deiner Gemeinde gehören zu dürfen, hilf mir, mich immer wieder daran zu erinnern, meine Macht, meinen Einfluss auf Andere nicht zu missbrauchen – Guter Gott erhöre uns
Guter Gott, Politiker haben viel Macht! Bitte lass sie erkennen, wie viel Gutes sie mit Ihrer Macht erreichen können. Guter Gott erhöre uns
Guter Gott, im Freundeskreis wird auch oft Macht ausgeübt. Das kann gut oder schlecht sein. Hilf uns, die Menschen zu einem guten Umgang miteinander in Deinem Namen zu beeinflussen. Guter Gott erhöre uns.
Guter Gott, auch Lehrer haben Macht. Hilf Ihnen, ihre Schüler gerecht zu behandeln und sie mit Kreativität und Humor zu unterrichten. Guter Gott erhöre uns
Guter Gott, hilf uns darauf zu achten, wo Menschen Macht ausnutzen um Andere zu unterdrücken und lass uns eingreifen und uns auf die Seite der Schwächeren stellen um sie zu stärken.
Vater unser: Alle (sich an Händen haltend)
Lied: Father and Son
Schlussgebet: Botschaft aus Taizé:
Der auferstandene Christus kommt, um im Innersten des Menschen ein Fest lebendig werden zu lassen. Er bereitet uns einen Frühling der Kirche: eine Kirche, die über keine Machtmittelmehr verfügt, bereit, mit allen zu teilen, ein Ort sichtbarer Gemeinschaft für die gesamte Menschheit.
Er wird uns genügend Phantasie und Mut dazu geben, einen Weg zur Versöhnung zu bahnen. Er selber und uns bereit machen, unser Leben hinzugeben, damit der Mensch nicht mehr des Menschen Opfer ist.
Segen: Marius
Lied: Lass die Leute reden von den Ärzten